Forex-Spreads und Ausführung: Standard-, ECN- und Raw-Konten im Vergleich
Standard, ECN oder Raw? Wir rechnen Spread und Kommission in eine Zahl um, erklären Ausführungsmodelle und Swaps und zeigen, wann Raw sich nicht lohnt.
Auf dieser Seite10
- Zuerst: der Pip-Wert
- Kommission in Pips umrechnen – der einzige Vergleich, der funktioniert
- Ab wann sich Raw wirklich lohnt
- Was "ab 0,0 Pips" nicht sagt
- Ausführung: wer sitzt auf der anderen Seite?
- Swap: die Kostenposition, die Mehrtagestrades entscheidet
- Die Kosten, die in keiner Vergleichstabelle stehen
- Welche Rechtseinheit unterschreibt mit?
- Ein durchgerechnetes Jahr
- Was Sie konkret tun sollten
Ihre Handelskosten bei einem Währungspaar bestehen aus Spread plus Kommission. Kontotypen ändern diese Summe weit weniger, als das Marketing vermuten lässt – sie verschieben sie nur zwischen zwei Positionen. Ein Raw-Konto mit 0,1 Pips Spread und 7 US-Dollar Kommission pro Lot kostet dasselbe wie ein Standardkonto mit 0,8 Pips. Wer die beiden vergleicht, ohne die Kommission in Pips umzurechnen, vergleicht nichts.
Dieser Leitfaden macht genau diese Umrechnung, zeigt, ab welchem Volumen sich ein Raw-Konto tatsächlich lohnt, und erklärt die zwei Kostenblöcke, die in keiner Werbetabelle stehen: Swap und Währungsumrechnung.
Zuerst: der Pip-Wert
Ein Standardlot sind 100.000 Einheiten der Basiswährung. Bei einem Paar, das auf vier Nachkommastellen quotiert wird und den US-Dollar als Kurswährung hat, ist ein Pip (0,0001) auf ein Lot also 10 US-Dollar wert. Ein Minilot (10.000 Einheiten) entspricht 1 US-Dollar pro Pip, ein Microlot (1.000 Einheiten) 10 US-Cent.
Yen-Paare weichen ab: Dort liegt der Pip bei 0,01, ein Pip auf ein Lot USD/JPY sind also 1.000 Yen, deren Gegenwert vom aktuellen Kurs abhängt. Wer diese eine Zahl im Kopf hat, kann jede Gebührentabelle in Sekunden entschlüsseln.
Kommission in Pips umrechnen – der einzige Vergleich, der funktioniert
Pepperstone berechnet auf dem Razor-Konto laut eigener Preisseite eine Kommission ab 3,50 US-Dollar pro Lot und Seite, also 7,00 US-Dollar für den vollen Umschlag. Geteilt durch 10 US-Dollar Pip-Wert sind das 0,7 Pips. Diese 0,7 Pips müssen Sie zum quotierten Raw-Spread addieren, bevor Sie irgendetwas vergleichen.
| Kontotyp | Quotierter EUR/USD-Spread | Kommission (Umschlag, 1 Lot) | Kommission in Pips | Gesamtkosten pro Lot |
|---|---|---|---|---|
| Standard, nur Spread | 1,2 Pips | keine | 0,0 | 12,00 USD |
| Raw / ECN | 0,1 Pips | 7,00 USD | 0,7 | 8,00 USD |
| Raw mit höherer Kommission | 0,1 Pips | 12,00 USD | 1,2 | 13,00 USD |
| Breites Standardkonto | 1,7 Pips | keine | 0,0 | 17,00 USD |
Zeile drei ist die wichtige. Ein Raw-Konto mit fetter Kommission ist teurer als ein ordentliches Standardkonto – und weil der Spread mit 0,1 Pips beeindruckend aussieht, fällt das in der Werbung nicht auf. Der Vorteil des Raw-Modells liegt in der Transparenz, nicht automatisch im Preis: Sie sehen den Marktspread und wissen, was der Broker verdient. Ob das billiger ist, entscheidet die Kommission.
Ab wann sich Raw wirklich lohnt
Der Unterschied im Beispiel beträgt 0,4 Pips, also 4 US-Dollar pro Lot. Rechnen wir das auf Jahresvolumen hoch.
| Monatsvolumen | Standard, 1,2 Pips | Raw, 0,8 Pips gesamt | Ersparnis pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 2 Lots | 24 USD | 16 USD | 96 USD |
| 10 Lots | 120 USD | 80 USD | 480 USD |
| 50 Lots | 600 USD | 400 USD | 2.400 USD |
| 200 Lots | 2.400 USD | 1.600 USD | 9.600 USD |
Hier steht die unbequeme Wahrheit für kleine Konten: Bei zwei Lots im Monat entscheidet die Kontowahl über 96 US-Dollar im Jahr. Eine einzige Inaktivitätsgebühr oder drei Auslandsüberweisungen kosten mehr. Wer selten handelt, sollte die Energie in Auszahlungsgebühren, Kontowährung und Plattformqualität stecken statt in 0,4 Pips – und Raw-Konten verlangen oft eine höhere Mindesteinlage, die dann für nichts gebunden ist.
Ab etwa 20 bis 30 Lots im Monat kippt das Bild, und ab dreistelligen Monatsvolumen ist die Differenz die mit Abstand grösste Stellschraube Ihrer Kostenrechnung.
Was "ab 0,0 Pips" nicht sagt
"Ab" bezeichnet das beobachtete Minimum, meistens in den liquidesten Minuten des Tages. Für Ihre Kostenrechnung brauchen Sie eine andere Zahl: den zeitgewichteten Durchschnittsspread pro Paar über einen vollen Monat. Manche Broker veröffentlichen ihn, viele nicht. Fragen Sie danach.
Wo sich der Spread zuverlässig ausweitet:
- Beim täglichen Rollover um 17:00 New Yorker Zeit, wenn Liquiditätsgeber ihre Bücher glattstellen.
- Bei der Sonntagseröffnung, oft für mehrere Minuten deutlich.
- In den Sekunden um Konjunkturdaten und Zinsentscheide.
- In dünnen Feiertagsphasen, wenn ein grosser Finanzplatz geschlossen ist.
Ein Rechenbeispiel, warum das zählt: Angenommen, Ihr Broker liefert im Durchschnitt 0,3 Pips, in der Rollover-Minute aber 4,0 Pips – und 20 Prozent Ihrer Einstiege fallen in diese Phase. Ihr realisierter Durchschnitt beträgt dann 0,2 × 4,0 + 0,8 × 0,3 = 1,04 Pips, mehr als das Dreifache der Schlagzeile. Wer eine Strategie um Rollover-Zeiten herum baut, zahlt einen ganz anderen Preis als die Preisliste behauptet.
Ausführung: wer sitzt auf der anderen Seite?
Market Maker mit Handelstisch. Der Broker stellt die Kurse selbst und nimmt die Gegenposition ein. Er verdient am Spread und am Nettoergebnis der intern verrechneten Kundenflüsse. Das ist nicht automatisch schlecht – interne Verrechnung erlaubt oft engere Kurse und sofortige Ausführung in kleinen Grössen. Man sollte die Anreizlage nur kennen.
STP beziehungsweise No Dealing Desk. Die Order geht an Liquiditätsgeber, der Broker verdient an einem Aufschlag auf deren Spread.
"ECN". Streng genommen ein elektronisches Netzwerk mit anonymem Matching in einem zentralen Buch. Im Retail-Forex wird das Etikett meist für einen aggregierten Feed mehrerer Liquiditätsgeber mit Rohkursen plus Kommission verwendet. Beides kann gut sein; das Wort sagt weniger aus als der Preis.
In der Praxis fahren die meisten Häuser ein Hybridmodell: kleine und sich gegenseitig aufhebende Positionen werden intern verrechnet, der Restbestand wird extern abgesichert. Relevant wird das über Last Look – Liquiditätsgeber dürfen ein kurzes Zeitfenster nutzen, um eine Order abzulehnen oder neu zu quotieren. Die Symptome sind Ablehnungen, Requotes und asymmetrische Slippage.
Messen lässt sich das mit drei Kennzahlen: Ausführungsquote, Symmetrie der Slippage (positive Abweichungen sollten ähnlich häufig sein wie negative) und durchschnittliche Ausführungslatenz. Einige Broker veröffentlichen Ausführungsstatistiken. Tut Ihrer das nicht, protokollieren Sie einen Monat lang gewünschten und tatsächlichen Kurs auf einem kleinen Livekonto. Demokonten laufen oft nicht auf derselben Preisengine und beweisen wenig.
Swap: die Kostenposition, die Mehrtagestrades entscheidet
Positionen, die über den Rollover gehalten werden, werden auf den nächsten Valutatag gerollt. Der Zinsunterschied der beiden Währungen bestimmt die Richtung, der Aufschlag des Brokers wird auf beide Seiten angewandt – weshalb bei vielen Paaren sowohl Long als auch Short negativ sind. Für die meisten Paare fällt der dreifache Swap am Mittwoch an, weil die Valuta dann von Freitag auf Montag springt; bei Paaren mit kürzerer Valuta verschiebt sich der Tag.
Rechenbeispiel mit ausgewiesener Annahme: Ihr Broker quotiert den Long-Swap auf EUR/USD mit −6,50 US-Dollar pro Lot und Nacht. Ein Monat mit 22 Handelsnächten enthält einen Dreifachtag, also 24 belastete Nächte. Das sind 156 US-Dollar – rund zwanzigmal die 8 US-Dollar, die Eröffnung und Schliessung gekostet haben. Bei allem, was länger als ein paar Tage läuft, ist der Swap die Kostenposition, auf die es ankommt, nicht der Spread.
Die andere Richtung ist ebenso lehrreich. Angenommen, eine Long-Position in einer höher verzinsten Währung bringt 4,00 US-Dollar pro Lot und Nacht. Über ein Jahr sind das rund 1.460 US-Dollar. Auf ein Nominal von 110.000 US-Dollar sind das 1,33 Prozent – gemessen an einer Margin von 3.667 US-Dollar bei 30:1 aber knapp 40 Prozent. Genau das macht Carry-Trades attraktiv. Und genau deshalb enden sie schlecht: Eine ungünstige Kursbewegung von 1,33 Prozent löscht einen vollen Jahres-Carry aus, und 1,33 Prozent sind bei einem Hauptwährungspaar eine ruhige Woche.
Die Kosten, die in keiner Vergleichstabelle stehen
- Währungsumrechnung. Kommission und realisiertes Ergebnis werden in Ihre Kontowährung umgerechnet. Ein Aufschlag von 1,0 Prozent auf 50.000 US-Dollar realisiertes Ergebnis im Jahr kostet 500 US-Dollar; bei 0,25 Prozent sind es 125 US-Dollar. Wer überwiegend Dollar-Paare handelt, führt das Konto möglichst in US-Dollar.
- Inaktivitätsgebühren. Bei manchen Anbietern nach drei Monaten ohne Handel, oft 10 bis 15 Euro im Monat – für ein kleines Konto mehr als die gesamte Spread-Ersparnis eines Raw-Modells.
- Auszahlungsgebühren. Prüfen Sie, wie viele Auszahlungen pro Monat frei sind und was eine Überweisung ausserhalb der SEPA-Zone kostet.
- Einzahlungsgebühren auf Karten. Bei einigen Anbietern prozentual.
- Kontowährung. Die folgenschwerste Einstellung überhaupt, weil sie sich nachträglich meist nicht ändern lässt.
Welche Rechtseinheit unterschreibt mit?
Für Privatkunden in der EU und in Grossbritannien gelten die ESMA-Produktinterventionsgrenzen: 30:1 bei Hauptwährungspaaren, 20:1 bei Nebenwährungen, Zwangsglattstellung bei 50 Prozent der Mindestmargin und Negativsaldo-Absicherung je Konto. Grossbritannien setzt dasselbe über PS19/18 um.
Dieselbe Marke betreibt häufig mehrere Gesellschaften: eine EU-Einheit, eine britische, eine australische und eine Offshore-Einheit mit 500:1 oder mehr und ohne die europäischen Auflagen. Wichtig zu verstehen: Ein höherer Hebel senkt Ihre Kosten pro Lot nicht um einen Cent. Er bindet nur weniger Margin – und verkürzt die Strecke bis zur Glattstellung.
Bei den Entschädigungssystemen gilt dasselbe wie überall: Sie decken den Ausfall des Anbieters ab, nicht Handelsverluste. Das britische FSCS zahlt bis zu 85.000 Pfund pro Person und Institut und schliesst Ansprüche wegen schlechter Wertentwicklung ausdrücklich aus; die Grenzen für Wertpapierhandelsunternehmen in Deutschland und Zypern liegen niedriger. Die Schweiz kennt keine ESMA-analoge Hebelbegrenzung – für Schweizer Kundinnen und Kunden entscheidet allein, mit welcher Einheit sie den Vertrag schliessen. Massgeblich ist immer der Name auf dem Kontoauszug.
Ein durchgerechnetes Jahr
Nehmen wir eine Person, die 50 Lots im Monat handelt und im Jahr 40.000 US-Dollar realisiertes Ergebnis in ein Euro-Konto umrechnet.
| Position | Standardkonto | Raw-/ECN-Konto |
|---|---|---|
| Spread, 50 Lots pro Monat | 600 USD | 50 USD |
| Kommission, 50 Lots pro Monat | keine | 350 USD |
| Handelskosten pro Monat | 600 USD | 400 USD |
| Handelskosten pro Jahr | 7.200 USD | 4.800 USD |
| Umrechnung, 1,0 % auf 40.000 USD | 400 USD | 400 USD |
| Gesamt pro Jahr | 7.600 USD | 5.200 USD |
2.400 US-Dollar Unterschied bei identischer Strategie. Und ein Anbieterwechsel, der den Umrechnungsaufschlag von 1,0 auf 0,25 Prozent senkt, bringt weitere 300 US-Dollar – ohne einen einzigen Trade zu verändern.
Was Sie konkret tun sollten
- 1Rechnen Sie die Kommission Ihres Brokers in Pips um (Kommission für den Umschlag geteilt durch den Pip-Wert) und addieren Sie sie zum Spread. Alles andere ist kein Vergleich.
- 2Schätzen Sie Ihr realistisches Monatsvolumen in Lots. Unter etwa 20 Lots ist die Raw-Frage zweitrangig.
- 3Fragen Sie nach dem zeitgewichteten Durchschnittsspread pro Paar über einen vollen Monat, nicht nach dem "ab"-Wert.
- 4Prüfen Sie die Swap-Tabelle für Ihre Paare und multiplizieren Sie mit Ihrer typischen Haltedauer. Bei mehr als ein paar Tagen entscheidet der Swap.
- 5Eröffnen Sie das Konto in der Währung, in der Sie überwiegend handeln, und prüfen Sie den Umrechnungsaufschlag.
- 6Protokollieren Sie einen Monat lang auf einem kleinen Livekonto gewünschten und tatsächlichen Ausführungskurs. Positive und negative Slippage sollten ähnlich häufig sein.
- 7Lesen Sie nach, welche Rechtseinheit auf Ihrem Kontoauszug steht, und schlagen Sie deren Aufsicht, Hebelgrenzen und Entschädigungssystem nach.
CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren.
Dieser Leitfaden ist eine Information und keine Anlageberatung. Spreads, Kommissionen und regulatorische Vorgaben ändern sich; prüfen Sie den aktuellen Stand immer beim Anbieter und bei der zuständigen Aufsichtsbehörde.
Häufige Fragen
Nein. Sie müssen die Kommission in Pips umrechnen und zum Spread addieren. Bei 7 US-Dollar Kommission für den Umschlag und einem Pip-Wert von 10 US-Dollar sind das 0,7 Pips; ein Raw-Konto mit 0,1 Pips Spread kostet damit 0,8 Pips gesamt und schlägt ein Standardkonto mit 1,2 Pips. Verlangt der Broker aber 12 US-Dollar Kommission, liegen die Gesamtkosten bei 1,3 Pips – teurer als das Standardkonto.
In unserem Beispiel spart Raw 0,4 Pips, also 4 US-Dollar pro Lot. Bei 2 Lots im Monat sind das 96 US-Dollar im Jahr – weniger als viele Inaktivitäts- oder Auszahlungsgebühren. Bei 50 Lots im Monat sind es 2.400 US-Dollar, bei 200 Lots 9.600 US-Dollar. Ab etwa 20 bis 30 Lots monatlich wird die Kontowahl zur wichtigsten Kostenentscheidung; darunter zählen Auszahlungsgebühren, Kontowährung und Plattform mehr.
Es ist das beobachtete Minimum in den liquidesten Minuten, nicht der Durchschnitt. Relevant ist der zeitgewichtete Durchschnittsspread pro Paar über einen vollen Monat. Der Spread weitet sich zuverlässig beim täglichen Rollover um 17:00 New Yorker Zeit, bei der Sonntagseröffnung, um Konjunkturdaten und in dünnen Feiertagsphasen. Fallen 20 Prozent Ihrer Einstiege in eine Phase mit 4,0 Pips statt 0,3 Pips, liegt Ihr realisierter Durchschnitt bei rund 1,04 Pips.
Beim Rollover wird die Position auf den nächsten Valutatag gerollt. Der Zinsunterschied der beiden Währungen bestimmt die Richtung, der Aufschlag des Brokers wird auf beide Seiten angewandt – deshalb sind bei vielen Paaren Long und Short negativ. Für die meisten Paare fällt der dreifache Swap am Mittwoch an, weil die Valuta von Freitag auf Montag springt; bei Paaren mit kürzerer Valuta verschiebt sich der Tag. Bei −6,50 US-Dollar pro Nacht kostet ein Monat mit 24 belasteten Nächten 156 US-Dollar.
Nicht zwangsläufig. Streng genommen ist ein ECN ein Netzwerk mit anonymem Matching in einem zentralen Buch; im Retail-Forex bezeichnet das Etikett meist einen aggregierten Feed mehrerer Liquiditätsgeber mit Rohkursen plus Kommission. Aussagekräftig sind Ausführungsquote, Symmetrie der Slippage und Latenz – nicht der Name des Kontotyps. Protokollieren Sie einen Monat lang gewünschten und tatsächlichen Kurs auf einem kleinen Livekonto; Demokonten laufen häufig nicht auf derselben Preisengine.
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